Interview „Trierische Volksfreund“

presse-tv2012aus dem Archiv des „Trierischen Volksfreund“ vom 09. August 2012

„Ich lebe hier, also mische ich mich ein“

von Heinz Kreil

Durch ihre offene Art, auf Menschen zuzugehen, ist für die gebürtige Jamaikanerin Minerva Minnettie Integration eine Selbstverständlichkeit. Ihr größtes Anliegen ist es, Interesse an der Kunst zu wecken.

Für die gebürtige Jamaikanerin Minerva Minnettie, die in der Saarstraße eine Galerie betreibt, ist Integration eine Selbstverständlichkeit. TV-Foto: Heinz Kreil

Trier. Wer einmal ohne Alltagshektik durch die Saarstraße schlendert, bleibt mit Sicherheit vor dem Haus mit der Nummer vier stehen: Ein Farbtupfer in der sonst so betriebsamen Durchgangsstraße lädt zum Verweilen und Schauen ein. Minerva Art heißt die kleine, fast winzig zu nennende Galerie, in deren Zentrum die „Göttin der Weisheit und der Kunst“, wie sie augenzwinkernd mitteilt, an ihrem Arbeitstisch thront.
1971 in Mande ville/Manchester geboren, wuchs Minerva in wohlbehüteten Verhältnissen im Südwesten von Jamaika auf.
„Auch wenn es uns verhältnismäßig gut ging, meine vier Geschwister und ich sind nicht verwöhnt worden. Ich habe mir mein Spielzeug selbst gebastelt, daher kommt meine kreative Ader.“
Nach dem Abitur beginnt Minerva in London, wo die Familie Verwandte hat, ein Modedesign-Studium. Eine Reise nach Deutschland führt sie unter anderem nach Bamberg, wo sie Bekannte besucht – Touristen, die sie in Jamaika kennengelernt hat. Und plötzlich ist sie verheiratet! Mit einem leitenden Angestellten. Dessen berufliche Karriere führt sie über Gießen und Frankfurt schließlich nach Trier. Hier lernt sie ihren jetzigen Lebensgefährten, den Musiker und Produzenten Oliver Lonien kennen, der durch ein Album mit Rapper Sido auf sich aufmerksam machte (der TV berichtete). In seinem Studio hat Minerva eine CD mit dem Schweizer Singer-Songwriter Bruce Niederfeld aufgenommen.
Das Malen hat sie sich größtenteils selbst beigebracht: „Ich brauche Farben, der Alltag ist oft grau genug!“ Doch sie hat auch Kurse an der Trierer Kunstakademie besucht. Als Freunde und Bekannte ihr die ersten Bilder abkauften, beschloss sie, davon leben zu wollen. „Deutschland und Trier sind für mich inzwischen Heimat geworden“, sagt Minerva. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute sich mehr für die Kunst interessieren.“ Von jedem verkauften Bild spendet Minerva für hilfsbedürftige Kinder in Jamaika.
„Ich gehe auf die Menschen zu, ich brauche die Menschen, wir alle brauchen uns. Viele Zuwanderer machen den Fehler, sich aus Angst vor unvorhersehbaren Reaktionen zu isolieren. Ich lebe hier, also mische ich mich ein.“

Extra

Grau ist alle Theorie. Deshalb wendet sich der TV in der Debatte um Integration der bunten Praxis zu: Menschen aller Haut farben und Nationalitäten haben in Trier ihren Weg gemacht. Sie arbeiten hart für ihren Traum von der selbstständigen Existenz. Ihre kleinen, oft originellen Läden gehören vielerorts zum Stadtbild. Einige von ihnen haben wir besucht, die Lebens geschichte der Kleinunternehmer aufgeschrieben und sie gefragt, wie sie zum Thema Integration stehen.

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